Prof. Dr. med Rainer Weber Arzt für HNO-Heilkunde  |  Allergologe  |  Plastische Operationen

Die endonasale Chirurgie der Stirnhöhle: Stirnhöhlendrainage Typ III (Mediandrainage), Tipps und Tricks, Nachbehandlung

Zusammenfassung

Im 2. Teil unseres Konzepts zur Chirurgie der Stirnhöhle werden die endonasale Typ-III-Drainage und operative Details wie der Einsatz von Nasentamponaden, Mitomycin C, Schleimhauttransplantaten, Folien und Platzhaltern erläutert und Hinweisen zur Nachbehandlung gegeben. Eine spezielle instrumentelle Ausstattung und die endoskopische Technik werden sehr empfohlen.

Schlüsselwörter: Stirnhöhlenchirurgie • Endonasale endoskopische Stirnhöhlendrainage • Typ-III-Drainage • Stirnhöhlendrainagen nach Draf • Mediandrainage

Endonasal frontal sinus surgery
Part 2: Frontal sinus drainages type III (median drainage), tips and tricks, postoperative care

Abstract:
In Part 2 of our concept of frontal sinus surgery, we explain type III drainage (median drainage or modified Lothrop procedure) and technical details including the application of nasal packing, mitomycin C, mucosal transplants, and silicone foils or stents. Special aspects of postoperative care are highlighted. Specific instrumentation and endoscopic equipment are highly recommended.

Keywords:
Frontal sinus surgery • Endonasal endoscopic sinusotomy • Modified Lothrop procedure • Type III drainage • Draf procedure

Typ-III-Drainage (Mediandrainage)

Das einseitige Anlegen einer breiten Verbindung zwischen Nase und Stirnhöhle haben Rhinologen schon vor über 100 Jahren beschrieben (s. [49]). Die Stirnhöhle wurde endonasal mit einem Bohrer aufgefräst, wobei zur sicheren anatomischen Orientierung unterschiedliche Hilfsmittel eingesetzt wurden: Spiess orientierte sich mittels Röntgenverfahren, Fletcher Ingals an einer eingeführten Stirnhöhlensonde, Halle an einem Schützer, der - breiter als der Bohrerkopf - vor einer Verletzung der Hinterwand schützen sollte. Nach Kressner 1950 haben schon Chaput 1905, Laurens 1907 und als erster Deutscher Grünwald diese Operation beschrieben. Er selbst hatte die Indikation von frontobasalen Verletzungen auf die chronische Eiterung ausgedehnt und Schleimhautlappen zur Sicherung der Drainage verwendet. Aktuell ist diese Operationsmethode als rhinofrontale Septotomie von Stennert wieder aufgegriffen worden [39].
Lothrop beschrieb schon 1899 die Mediandrainage der Stirnhöhle mit Resektion des Bodens beider Stirnhöhlen, des Septums der Stirnhöhle und des oberen Nasenseptums über einen Zugang von außen (Jansen-Ritter-Operation) bei zusätzlicher endonasaler Ethmoidektomie [24]. Deswegen wird im amerikanischen Schrifttum die Operation oft als endoskopische modifizierte Lothrop-Operation („endoscopic modified Lothrop procedure", EMLP) oder auch „frontal drill out procedure" bekannt, die von Gross 1995 beschrieben, propagiert und nach eigenen Angaben seit 1993 durchgeführt wurde ([14, 15, 16]; Close entsprechend 1994 bzw. 1988 [8]). May sprach vom „nasofrontal approach", NFA Typ IV [25], McLaughlin von der „transseptal frontal rhinotomy" [26]. Ein weiteres Synonym ist „Mediandrainage", die auch 1950 schon beschrieben wurde [49].
Alle meinen die gleiche Operation, wobei die Unterschiede weniger in der erzielten Drainage am Ende der Operation liegen als im verwendeten optischen Hilfsmittel (Mikroskop, Endoskop), im Instrumentarium (Bohrer, Stanzen, Shaver, scharfe Löffel usw.) und in der konkreten Durchführung.
Der Autor bevorzugt die Klassifikation als Typ-III-Drainage nach Draf, um die außerordentlichen Verdienste von Wolfgang Draf für die endonasale Nasennebenhöhlen und insbesondere für die Stirnhöhlenchirurgie hervorzuheben. Draf hat diese Operation 1991 international als Erster nach Jahrzehnten des „Stillstands" wieder beschrieben [11].

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© Prof. Dr. med. Rainer Weber, Karlsruhe