Prof. Dr. med Rainer Weber Arzt für HNO-Heilkunde  |  Allergologe  |  Plastische Operationen

Nasentamponaden und Stents

Zusammenfassung

Nasentamponaden sind unverzichtbares Rüstzeug des HNOArztes, weswegen der aktuelle Stand zu Einsatz, Nutzen und Risiken von Nasentamponaden und Stents wiedergegeben wird. In der endonasalen Chirurgie sollten nach individuellem Abwägen der Notwendigkeit nur noch solche konventionellen Nasentamponaden eingesetzt werden, die eine glatte Oberfläche besitzen und damit Schleimhautschädigungen, potenzielle Verschlechterung der Wundheilung und Einschränkung des Patientenkomforts minimieren. Die endonasale funktionelle endoskopische NNH-Chirurgie impliziert moderne Verfahren der Nasentamponaden, die sich vom alten Formkörper, der Druck ausübt und Raum einnimmt, lösen (müssen). Die sog. hämostatischen/
resorbierbaren Materialien sind ein erster, allerdings noch nicht ausreichender Schritt in diese Richtung, da sie zu vermehrten Synechien führen und teilweise Fremdkörperreaktionen aufgrund Inkorporation in die Schleimhaut auslösen. Das Zukleben der Nase ist eine einfache und sehr effektive Methode zur Schaffung eines feuchten Milieus zur Optimierung der endonasalen Wundheilung und Therapie einer trockenen Nase. Ein Stenting der Stirnhöhle wird nur dann empfohlen, wenn es operativ nicht gelingt, eine ausreichend weite, physiologische geformte und in weiten Teilen mit Schleimhaut bedeckte Stirnhöhlendrainage zu realisieren.

1 Einleitung

Nasentamponaden sind unverzichtbares Rüstzeug des HNOArztes. Dabei ist es notwendig, trotz der zunehmenden Vielfalt verfügbarer Produkte die wesentlichen, auf dem Markt befindlichen Materialien zu kennen und bewerten zu können, wobei die nachfolgende Übersichtsarbeit eine Hilfe sein will. Sie ist eine Aktualisierung der Übersichtsarbeiten von Weber et al. [1] und Beule et al. [2] aus den Jahren 2000 bzw. 2004. Unter besonderer Berücksichtigung der Literatur der Jahre 2000 bis 2008 wird der aktuelle Stand zu Einsatz, Nutzen und Risiken von Nasentamponaden und Stents wiedergegeben.
Die Tamponade der Nase dient

  • der Blutstillung bei Nasenbluten und nach operativen Eingriffen in der Nase,

  • zur inneren Stabilisierung des knorpelig-knöchernen Nasengerüstes, der Nasenmuscheln oder Weichteilstrukturen wie z. B. Schleimhautverschiebelappen,

  • der Verhinderung der Entstehung von Synechien oder Restenosierungen, insbesondere nach Nebenhöhlenoperationen. Hier sollen vor allem eine längere Liegedauer der Tamponade [3], die Verwendung speziell geformter Platzhalter [3–5] oder der Einsatz spezieller Materialien [6] sinnvoll sein.

Ein allgemein akzeptierter Standard, welches Material zur Tamponade verwendet werden, wie lange die Tamponade liegen und bei welchen Indikationen diese erfolgen soll, besteht nicht [1, 2]. Nasentamponaden wirken entweder über

  • die Ausübung von Druck,

  • eine Platzhalterfunktion durch Einnahme eines vorgegebenen Raumes,

  • die Schaffung eines feuchten Milieus zur Gewährleistung des normalen Ablaufes der durch die Evolution optimierten körpereigenen Vorgänge (z. B. durch Okklusion),

  • die Ausübung einer Barrierefunktion,

  • die Induktion oder Beeinflussung der körpereigenen Blutstillungs- und Reparationsprozesse.

Die Verwendung von Nasentamponaden ist in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. So haben als Formkörpertamponaden (= FKT) in Deutschland Gummifingerlinge den höchsten Anteil, in den USA sind es die merocelartigen PVA-Tamponaden, in England wird neben PVA auch Telfa häufiger verwendet, in China kommen Alginatstreifen sehr häufig zum Einsatz. Dies hängt vermutlich mehr mit der primären Verfügbarkeit und dem Marktangebot zusammen als mit wirklich inhaltlichen und tamponadespezifischen Faktoren, da umfassende vergleichende Untersuchungen nicht vorliegen.
Grundsätzlich ist –mehr international als national – die Tendenz stark, bei möglichst vielen Indikationen auf eine NT überhaupt zu verzichten, wobei der Komfort des Patienten als Hauptgrund anzusehen ist.
Die Materialvielfalt ist so groß, dass die nachfolgende Einteilung zwar nicht umfassend befriedigend ist, aber doch sinnvoll erscheint, um Übersicht zu gewinnen. Es sollen im Folgenden nur die aus Sicht des Autors national und international relevanten NT eingehender besprochen werden.

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© Prof. Dr. med. Rainer Weber, Karlsruhe