Prof. Dr. med Rainer Weber Arzt für HNO-Heilkunde | Nasennebenhöhlen  |  Allergologe  |  Plastische Operationen

Zahnbedingte (dentogene) Kieferhöhlenentzündung

Auszug aus Kommentar zur Arbeit von Bomeli et al. (Laryngoscope 2009; 119: 580-4), veröffentlicht in Laryngo-Rhino-Otol 2009;

Gestern erst sah ich eine Patientin, die seit gut 20 Jahren ein Druckgefühl im seitlichen Wangenbereich mit rezidivierender Verstärkung angab. Bisher seien verschiedene HNO-Untersuchungen „unauffällig“ gewesen. Die Zähne waren kürzlich saniert worden, sie hatte früher häufiger Probleme, sie wären „überfüllt“ gewesen. Endoskopisch zeigte sich bei deutlicher Septumdeviation ein deutliches Ödem im mittleren Nasengang. Das veranlasste CT zeigte die erwartete Verschattung mit einem kleinen Rest von Wurzelfüllmaterial in der Kieferhöhle. Keiner der bisher untersuchenden Ärzte habe die Nase endoskopiert oder ein CT indiziert.

Die vorliegende Arbeit und dieses aktuelle Fallbeispiel machen erneut klar:

  • Anamnestisch sollte sowohl bei akuten als auch bei chronischen (insbesondere isolierten) Kieferhöhlenproblemen nach Zahnbeschwerden gefragt und die Zähne auch angeschaut werden. 

  • Bei persistierenden / chronischen Beschwerden ist eine Computertomographie empfohlen, wobei im Grenzbereich zwischen Oberkieferzähnen und Kieferhöhle, insbesondere dem 2. Prämolaren und ersten Molaren, nach Aufhellungszonen im Knochen, apikalen und periapikalen Abszessen etc zu suchen ist. Weiterhin, was in der Analyse von Bomeli et al. offensichtlich nicht berücksichtigt wurde, muss nach aberierendem Zahnfüllmaterial in der Kieferhöhle oder nach Pilzball verdächtigen Strukturen wie Knochen und Metall dichten Materialansammlungen in der Kieferhöhle gesucht werden. Auch an dentogene Knochenzysten ist zu denken, die sich einer teils kräftigen, teils auch nur sehr feinen knöchernen Lamelle um einen vermeintlichen zystischen Kieferhöhlenpolypen erkannt werden können.

Endoskopisch sind

  • eine pururente Sekretstraße im hinteren Anteil des mittleren Nasenganges – dorsal des Uncinatus – und / oder

  • ein Ödem im mittleren Nasengang, das tlw. eine papillomatöse Struktur aufweisen kann, so dass differentialdiagnostisch an ein Papillom gedacht werden kann

typische Befunde bei dentogener Sinusitis maxillaris bzw. Pilzball.

Grundsätzlich ist es somit unerheblich, in welcher exakten Häufigkeit dentogene Entzündungen die Ursache einer akuten und chronischen Kieferhöhlenentzündung unterschiedlichen Ausmaßes sind. Der HNO- Arzt sollte hieran denken und sich selbst ein Bild der Zähne machen und in der Lage sein, im CT typische pathologische Befunde im Grenzbereich zwischen Kieferhöhle und Oberkieferzähnen zu sehen und dann eine zahnärztliche oder kieferchirurgische Sanierung zu empfehlen. Von HNO-Chirurgischer Seite ist es gerade bei persistierenden Problemen vielfach hilfreich und notwendig, über eine endoskopische, minimal invasive Teiluncinektomie und gegebenenfalls Erweiterung des natürlichen Kieferhöhlenfensters eine ausreichende Drainage zusätzlich zur oder vor der Zahnsanierung zu gewährleisten. Aberierendes Material muss gegebenenfalls vollständig entfernt werden, hierbei unter Umständen die Öffnung vergrößert werden.

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© Prof. Dr. med. Rainer Weber