Prof. Dr. med Rainer Weber Arzt für HNO-Heilkunde  |  Allergologe  |  Plastische Operationen

Infektiöse Mononukleose (Seite 4)

Der Nachweis heterophiler Antikörper hat mittlerweile zwar eine hohe Sensitivität und Spezifität von bis über 90% erreicht [5, 10] und der positive Vorhersagewert liegt bei über 90% [10]. Diese Antikörper sind jedoch in der Anfangsphase der Erkrankung nur in bis zu 70% vorhanden, bei Kindern beträgt die Sensitivität nur bis 50% [4, 8, 10, 13, 20].
Bei positivem Schnelltest und entsprechenden klinischen Symptomen kann die Diagnose damit als gesichert angesehen werden. Bei negativem Schnelltest sollte die Bestätigung über den Nachweis spezifischer Antigene erfolgen. Virusspezifische Antigene, die im Verlauf einer Infektion gebildet werden, kann man in den infizierten und auf verschiedene Weise fixierten Zellen zur Darstellung bringen. Man unterscheidet infektionsfrühe Antigene (Early antigens; EA), Viruskapsidantigene (VCA), kernassoziierte (Tumor)antigen (EBNA) und Membranantigene. Kommerziell stehen eine Fülle von Immunoassays (EIA, IFT) zur Verfügung. Moderne Immunoassays arbeiten mit gentechnologisch definierten Einzelantigenen. Einen Überblick über die serodiagnostischen Möglichkeiten in der EBV-Diagnostik geben Abbildung 5 und Tabelle 3.

Tabelle 3: Charakteristische Antikörperspektren bei Patienten mit EBV-assoziierten Krankheiten
Immunglobuline IgM IgG IgA IgG IgA IgG IgG IgM
Infektiöse Mononukleose +++ ++++ + + - + - ++++
Subklinische Infektion bei Kindern +++ ++++ + - - + - +
Lang zurückliegende Primärinfektion

-

++ - - - + + -
Reaktivierte Infektion (+) ++++ ++ ++ + ++ (+) -
Burkitt-Lymphom - +++++ - + - ++++ + -
Nasopharynxkarzinom - +++++ ++ ++ ++ ++ ++ -
Antikörper gegen VCA VCA VCA EA EA-D EA-R EBNA-1 Gewebe

 

Abbildung 5: Titerverläufe der Antikörper gegen die wichtigsten EBV-Antigene
 
Abbildung 5: Titerverläufe der Antikörper gegen die wichtigsten EBV-Antigene
 

EBV-Antikörperdiagnostik [24]

  • Nachweis von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Nuclear-Antigen 1 (EBNA 1): Dieses Tumorantigen erscheint im Kern aller persistent infizierten Zellen. Es wird erst relativ spät in immunogener Form exprimiert. Die Antikörperbildung gegen das EBNA 1 kommt nach einigen Wochen bzw. Monaten in Gang. Ein eindeutig positives Testresultat belegt eine durchgemachte Infektion.

  •  Ist der Anti-EBNA-1-Test negativ oder nur schwach positiv (erste Titerstufe des Tests), erfolgt die Testung auf Antikörper gegen das Viruskapsidantigen (VCA).

  • Ist dieser Test ebenfalls negativ, schließt dies eine EBV-Infektion in der Differentialdiagnose einer EBV-assoziierbaren Erkrankung aus; das VCA-Antigen ist nämlich stark immunogen. Die meisten Patienten bilden IgM- und IgG-Antikörper unmittelbar zu Krankheitsbeginn.

  • Fällt der anti-VCA-Test mit höheren Titerstufen (ab 1 : 160) bei negativem oder grenzwertigem anti-EBNA-1-Test positiv aus, spricht das für eine akute bzw. relativ frische oder eine reaktivierte Infektion. Dies kann in den meisten Fällen einer Primärinfektion durch einen positiven IgM-anti-VCA-Test bestätigt werden (Kreuzreaktion/Stimulation mit CMV beachten). Die IgM-Anti-körper persistieren meist nicht länger als 10 Wochen. Der Titerabfall verläuft mitunter undulierend. Protrahierte oder chronische Verläufe einer aktiven Infektion sind selten. Bei Kleinkindern wird der IgM-Nachweis in 10-20% der Fälle verpaßt.

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© Prof. Dr. med. Rainer Weber, Karlsruhe