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Infektanfälligkeit
Die Auseinandersetzung von Kindern und Erwachsenen mit ihrer Umwelt schließt auch die Auseinandersetzung mit Infektionserregern ein. Infektionen „trainieren“ unser Immunsystem und hinterlassen in vielen Fällen bleibende Immunität. Die Mechanismen, die schließlich zur Immunität führen, sind fein abgestimmt und bedürfen im Normalfall keiner therapeutischen Intervention.
Solange Immunität nicht vorliegt, besteht allerdings eine Anfälligkeit für
Infekte.
Das Neugeborene kommt nur mit dem sog. "Nestschutz" zur Welt. Dies sind über die Gebärmutter (= diaplazentar) von der Mutter übertragene Antikörper, die dem Kind für ein paar Monate einen gewissen antiinfektiösen Schutz verleihen. Diese Leihimmunität verschwindet in den ersten Lebensmonaten. Parallel zum Verlust mütterlicher Antikörper beginnt das Kind, sich aktiv mit Infektionserregern aus seiner Umgebung
auseinander zusetzen.
"Infektanfälligkeit" ist im oben erwähnten Sinne etwas Normales. Es muss geklärt werden, ob eine normale, „physiologische Infektanfälligkeit“ vorliegt oder eine „pathologische Infektanfälligkeit“, die eine systematische Abklärung verlangt. Hierbei hilft eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte; siehe Tabellen 1 und 2).
Tabelle. 1:
Unterschiede zwischen physiologischer und pathologischer Infektanfälligkeit.
| Eigenschaft der Infektionen
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Physiologische Infektanfälligkeit
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Pathologische Infektanfälligkeit |
| Häufigkeit |
Max. 8 Minor-Infektionen* pro Jahr bis zum Kleinkindesalter, danach seltener |
≥ 8 Minor-Infektionen* pro Jahr bis zum Kleinkindesalter und darüber hinaus |
| Schweregrad |
leicht, Minor-Infektionen* |
schwer, Major-Infektionen** |
| Verlauf |
akut |
chronisch, wiederkehrend |
| Bleibende Folgen |
nein |
ja |
Rezidiv mit
demselben Erreger |
nein |
ja |
| Opportunistische Infektion |
nein |
ja |
* z.B. grippale Infekte, Mandelentzündung (Tonsillitis), akute Infekte der oberen Atemwege, Mittelohrentzündung (Otitis media)
** Lungenentzündung (Pneumonie), Sepsis, Hirnhautentzündung (Meningitis), Zellulitis, Osteomyelitis, septische Arthritis, Empyem, tiefe Viszeralabszesse (nicht zervikale Lymphknoten)
Tabelle. 2:
Hinweise auf mögliche angeborene Immundefekte (nach Jeffrey-Modell-Foundation (JMF) und Wahn 1999)
| 1.) Positive Familienanamnese für angeborene Immundefekte |
| 2.) Acht oder mehr eitrige Mittelohrentzündungen
(Otitiden) pro Jahr |
| 3.) Zwei oder mehr schwere Nasennebenhöhlenentzündungen
(Sinusitiden) pro Jahr |
| 4.) Zwei oder mehr Lungenentzündungen (Pneumonien) innerhalb eines Jahres |
| 5.) Antibiotische Therapie über zwei oder mehr Monate ohne Effekt |
| 6.) Impfkomplikationen bei Lebendimpfungen (insbes. BCG und Polio nach
Sabin) |
| 7.) Gedeihstörung im Säuglingsalter, mit und ohne chronische Durchfälle |
| 8.) Wiederkehrende tiefe Haut- oder Organabszesse |
| 9.) Zwei oder mehr viszerale Infektionen (Meningitis,
Osteomyelitis, septische Arthritis, Empyem, Sepsis) |
| 10.) Persistierende Candida-Infektionen an Haut oder Schleimhaut jenseits des 1. Lebensjahres |
| 11.) Chronische Graft-vs-Host Reaktion (z.B. unklare Erytheme bei kleinen Säuglingen) * |
| 12.) (Rezidivierende) systemische Infektionen mit atypischen Mykobakterien ** |
* Jede im frühen Säuglingsalter spontan auftretende Graft vs Host Reaktion (GvHR) sollte analysiert werden, da sie annähernd mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit auf einen kombinierten Immundefekt hinweist. Unter einer GvHR versteht man eine Spender-gegen-Empfänger-Reaktion, wie sie klassischerweise bei Stammzelltransplantationen auftritt. Bei schweren T-Zelldefekten des Neugeborenen können sich aufgrund des T-Zelldefektes T-Zellen der Mutter im Kind ungehindert expandieren und zu einer GvHR führen. Diese manifestiert sich klinisch am häufigsten als Erythem, aber auch mit Hepatopathie und Blutbildveränderungen.
** Bei der atypische Mykobakteriose, die von der lokalen Form zu einer disseminierten Erkrankung wird, muß aber an eine HIV-Infektion oder an einen genetischen Defekt im Bereich des IFN-γ-Rezeptors, des IL-12-Rezeptors oder der IL-12-Produktion gedacht werden.
Für eine erhöhte Infektanfälligkeit beim Erwachsenen spricht, wenn während 2 Jahren pro Jahr mehr als 3 antibiotikapflichtige Infekte vorkommen, die über 3 – 4 Wochen andauern.
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