Prof. Dr. med Rainer Weber Arzt für HNO-Heilkunde | Nasennebenhöhlen  |  Allergologe  |  Plastische Operationen

Immunsystem – Infektanfälligkeit

Das Immunsystem und die Infektabwehr dienen dem Erhalt der Integrität des Organismus. Hierbei müssen Viren, Bakterien, Parasiten und Pilze abgewehrt werden, die ständig in uns eindringen. Unter normalen Umständen gewährleisten die Abwehrmechanismen eine Elimination fremder Mikroben und Substanzen (Antigene), ohne dass klinische Hinweise auf eine Entzündung bestehen. Eine Entzündung tritt erst auf, wenn

  • das oder die Antigene in großer Menge in den Organismus eindringen, 

  • sie den Organismus an ungewohnter Stelle attackieren, 

  • nicht von den Abwehrzellen vernichtet werden oder 

  • die Immunabwehr unterlaufen.

Hieraus resultiert eine entzündliche Erkrankung mit Gewebeschädigung.

Man kann das Immunsystem unterteilen in das "angeborene" Immunsystem und das "erworbene" Immunsystem.
 

Angeborenes Immunsystem

Die Bestandteile des angeborenen Teils des Immunsystems sind von Geburt an vorhanden und voll funktionsfähig. Hierzu gehören

  • Die Körperbedeckung (Haut und Schleimhaut). Sie wirkt durch
    - Intaktheit der Haut und Schleimhaut, 
    - Fettsäuremantel und pH der Haut, 
    - Schleimschicht und Flimmerzellschlag der Schleimhaut am Atemwegstrakt, 
    - Bakterizide Eiweiße (Proteine) und Enzyme im Schleim

  • Spezielle Abwehrzellen und

  • Lösliche Botenstoffe (humorales Immunsystem). 

Die Hauptzellen des angeborenen Immunsystems sind die "Fresszellen", medizinisch auch "Granulozyten", "Monozyten" und "Makrophagen" genannt. Alle diese Zellsorten gehören zu den weißen Blutkörperchen. Ihre Hauptfunktion ist das „Auffressen“ von Krankheitserregern. Die Makrophagen haben zudem eine zentrale Aufgabe in der Regulation der Intensität einer Immunantwort.

Das Hauptsystem von Botenstoffen des angeborenen Immunsystems ist das Komplementsystem. Es wird durch Antikörper oder Bakterienbestandteile aktiviert, lockt weiße Blutkörperchen an und verbessert deren Funktion und es zerstört Krankheitserreger auch direkt.
 

Erworbenes Immunsystem

Auch zum erworbenen Anteil des Immunsystems gehören Zellen und Botenstoffe. Sie sind zwar von Geburt an vorhanden, müssen aber erst noch ausreifen. Es fehlt vor allem das sogenannte "Gedächtnis" oder die "Immunität", die dazu führen, dass man immer nur einmal an einem bestimmten Erreger erkrankt. Kommt man ein zweites Mal mit einem solchen Erreger in Kontakt, dann wird durch die Gedächtnisfunktion dieser Erreger sofort erkannt und unschädlich gemacht. Diese Funktion entwickelt sich erst nach der Geburt des Kindes, weshalb Kinder in den ersten Lebensjahren mehr Infektionen haben als später. 

Die Zellen des erworbenen Immunsystems heißen T-Zellen und B-Zellen, beide sind Untergruppen der weißen Blutkörperchen. 
Die T-Zellen können

  • Krankheitserreger direkt selbst abtöten, die dann von Fresszellen aufgefressen werden, und

  • die anderen Zellen des Immunsystems, also z.B. die Fresszellen oder die B-Zellen, steuern.

Die B-Zellen sind v.a. notwendig zur Antikörperbildung. Antikörper sind lösliche Eiweiße, die in ihrer Form einem Y ähneln. Antikörper können Mikroben erkennen. Das Gabelende des Y ist der Teil des Antikörpers, der sich an die Mikrobe anheftet. Der Anfang der Gabel wird von unterschiedlichen Zellen des Immunsystems erkannt, die dadurch die Mikroben als schädliche Krankheitserreger erkennen können. 

Im Blut gibt es fünf Arten von Antikörpern (Immunglobuline): IgG, IgA, IgM, IgD, IgE. Das Immunglobulin IgG hat den größten Einfluß im Blut, gefolgt von IgM und IgA. IgD und IgE sind nur in geringen Mengen im Blut vorhanden und sind nur geringfügig an der Verteidigung gegen Infektionen beteiligt. Das IgG läßt sich nochmal in vier Untergruppen einteilen, IgG1, IgG2, IgG3, IgG4, die alle unterschiedliche Funktionen bei der Erregerabwehr haben.

Das Erkennen eines Antigens und die Immunantwort finden an verschiedenen Orten statt (z.B. Milz, Lymphknoten, Mandeln, Darmwand- Peyer`sche Plaques). 

Alle Teile des Immunsystems arbeiten zusammen, so dass, wenn ein Teil nicht richtig funktioniert, auch andere Teile betroffen sein können. Daher ist es oft notwendig, bei einem bestimmten Immundefekt auch andere Bereiche des Immunsystems zu untersuchen, um herauszufinden, ob die anderen Bereiche auch betroffen sind.

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Eine Übersicht über Aufbau und Funktion unseres Immunsystems, was Infektanfälligkeit bedeutet und wie wir sie behandeln können.

© Prof. Dr. med. Rainer Weber, Karlsruhe