|
ET bestehen vornehmlich aus Polyvinylacetal (PVA), ein Produkt (Sugomed, Kettenbach, Eschenburg) aus Viskose und Cellulose.
PVA-NT werden in vielerlei Formen und Größen angeboten und in stark komprimierter Form geliefert. Nach Kontakt mit Wasser oder Blut löst sich der eingearbeitete Kleber und die Tamponaden quellen auf. Ein wichtiger Unterschied unter den verschiedenen Produkten betrifft die Porengröße und die Oberfläche. Je kleiner die Porengröße, desto geringer ist das Ausmaß des Einwachsens von Granulationen in die NT. Zudem nimmt die Rauhigkeit ab. Beides führt dazu, dass Schmerzen, Blutung und Schleimhauttraumatisierung beim Einführen oder Entfernen abnehmen.
Das klassische Produkt ist das Merocel (Medtronic, Düsseldorf), welches sich durch eine große Porengröße auszeichnet und aus diesem Grund als die ungünstigste PVA-Variante anzusehen ist und heute in der klassischen Form, einschließlich der vergleichbaren Nachahmerprodukte, nicht mehr eingesetzt werden sollte.
Verbesserte Formen sind
-
PVA-NT mit kleineren Poren, die zu einer verminderten Schmerzhaftigkeit beim Entfernen führen;
-
beschichtete Varianten (z. B. Merocel Laminated), die seitlich mit einer Folie versehen sind, sodass hier eine stärkere Traumatisierung der Schleimhaut verhindert wird. Rauhe, grobporige Flächen verbleiben jedoch im oberen und unteren sowie im vorderen und hinteren Bereich;
-
ntibakterielle
PVA-NT;
-
vollständig umhüllte PVA-NT. Die derzeit beste diesbezügliche Entwicklung stellt Netcell dar (Network Medical, Ripon, UK), welches den PVA-Körper vollständig in einen Foliensack einbringt, sodass an keiner Stelle Schleimhaut einwachsen kann, sondern allseits eine glatte Oberfläche besteht. Vergleichbar mit GFT und deren vollständig glatten Oberfläche gewährleistet dieses Produkt derzeit aus Sicht des Autors die geringst mögliche Traumatisierung der Schleimhaut durch eine FKT. Die Entfernung ist mindestens so wenig unangenehm, wie diejenige der GFT, eine vergleiche Studie steht aus.
Noch nicht zu bewerten ist die Neuentwicklung aus Merocel und mikrodispergierter Cellulose (Merocel hemoX,
Medtronic).
Sugomed ist eine ET, die in Streifen- und Plattenform verfügbar ist und aus Zellulose (31,3%) und Viskose (68,7 %) besteht und ebenso wie PVA-NT nach Flüssigkeitszugabe expandiert, jedoch etwas geringer als PVA-NT. Die Porengröße ist kleiner als beim klassischen Merocel, sodass die Entfernung angenehmer, jedoch immer noch traumatischer ist als bei Tamponaden mit glatter Oberfläche. Besonderer Vorteil gegenüber PVA ist, dass das Material individuell hinsichtlich der Grö ß e und L ä nge zugeschnitten werden kann und bei Verwendung eines langen Streifens eine beidseitige Applikation über den Nasensteg möglich ist. Auch hier muss auf die Protektion des Nasenstegs geachtet werden.
Rapid Rhino (Arthrocare, Remscheid) ist eine Tamponade mit einem Schaumstoffkern (Modelle Riemann, Goodman oder Mannheim in unterschiedlicher Länge) oder einem Ballon (5 cm, 7,5 cm oder 12 cm), welche jeweils mit Carboxymethylzellulose (CMC) ummantelt sind. CMC ummantelt auch den eigentlichen Wirkmechanismus dieser Tamponaden, nämlich einmal die Druck- und Platzhalterwirkung des Schaumstoffes und andererseits die klassische Ballonkathetertamponade. Die Schaumstoffvariante des Rapid Rhino ist aus Sicht des Autors mit GFT vergleichbar, dessen Schaumstoffkörper meist leichter komprimierbar ist, was zu einer verbesserten und variableren Applikation führt und einem nochmals verringerten Risiko einer Drucknekrose. Das Risiko einer Dislokation ist bei Rapid Rhino niedriger als bei GFT, der Preis deutlich höher. Das Wirkprinzip der Gelbildung mit Schaffen einer grundsätzlich positiven okklusiven Wundbehandlung sowie der Intensivierung der körpereigenen Blutstillung soll durch die Verwendung des reinen CMC in Form des Sinu-Knit oder des Stammberger Gels genutzt werden (s. u.).
Die Anwendung von Baumwollgazestreifen (BWGS) zur Tamponade nach Operationen am Septum, den unteren Nasenmuscheln oder den Nasennebenhöhlen sollte auf Grund eines schlechten Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht mehr erfolgen. Es ist streng davon abzuraten und muss als Kunstfehler bezeichnet werden, eine Salbenstreifentamponade nach endoasaler Nasennebenhöhlenoperation einzulegen (Paraffingranulom).
Schleimhautschädigung, ggf. Drucknekrosen, Blutung bei Entfernung, Auslösung eines Paraffingranuloms, Schmerzen während der Liegedauer und bei der Entfernung der Tamponaden sind klare und lange bekannte Gründe gegen den Einsatz von BWGS.
Konventionelle Formkörpertamponaden haben wesentliche Nachteile:
-
der Druck der Tamponade und/oder das Trauma des Einbringens und Entfernens der Tamponade können das Flimmerepithel schädigen,
-
durch die Entfernung kann es zu einem Trauma mit nachfolgender Blutung kommen,
-
die Tamponade selbst ist nicht komfortabel und verursacht Druck oder ein Schmerzgefühl während der Liegezeit bzw. beim Entfernen und
-
die Tamponaden bergen grundsätzliche und je eigene Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationsmöglichkeiten in sich
[4, 15, 17] :
-
Komfortminderung (behinderte Nasenatmung, Riechminderung),
-
Schmerzen bei Entfernung,
-
Schleimhautsch ä den bis Drucknekrosen,
-
Dislokation,
-
obstruktives Schlafapnoesyndrom,
-
Tubendysfunktion,
-
Allergie,
-
Paraffingranulom und
-
toxisches Schocksyndrom.
Die Risiken einer FKT, die nicht selten aufwändige und unbefriedigende Nachbehandlung nach NNH-Op sowie zunehmende Wünsche der Patienten hinsichtlich eines gesteigerten Komforts haben dazu geführt, entweder auf NT gänzlich zu verzichten oder neue Produkte zu entwickeln, die auf eine klassische Applikation eines Formkörpers mit Druck- und Platzhalterfunktion verzichten.
HT versuchen, die Nachteile der FKT zu vermeiden. Indem sie nur auf die Wundflächen im Siebbein und ggf. am Eingang zu den übrigen NNH eingebracht werden, lassen sie die Nasenatmung unbehindert (verbesserter Komfort des Patienten). Die Materialien verschwinden durch eine quantitativ unbekannte Kombination von Vorgängen wie selbsttätiges Auflösen, Absaugen, Ausspülen, Herunterlaufen etc. Es können folgende Wirkungen unterschieden werden, die bei den unterschiedlichen Substanzen in unterschiedlicher Kombination ausgeprägt sind:
1. Blutstillung,
2. Adhäsionswirkung, um Gewebe an seinem Platz zu halten,
3. Platzhalterfunktion,
4. Barrierefunktion,
5. Beeinflussung der Wundheilung und
6. Versiegelung von Oberflächen oder Räumen.
|
|