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Zusammenfassung
Die national und international zunehmende Tendenz, auf eine Nasentamponade nach FESS zu verzichten, ist untrennbar mit der Operationstechnik verbunden
(atraumatische endoskopische Chirurgie, Vermeidung der Resektion der Nasenmuscheln, präzise Blutstillung). Am Ende der Operation sollte eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen, ob eine
Nasentamponade sinnvoll ist und welche. In der
endonaalen Chirurgie sollten nur noch solche konventionellen Nasentamponaden eingesetzt werden, die eine glatte Oberfläche besitzen und damit die
Schleimhautschädigung, potentielle Verschlechterung der Wundheilung und Einschränkung des Patientenkomforts minimieren. Die sogenannten hämostatischen / resorbierbaren Materialien sind ein erster, allerdings noch nicht ausreichender Schritt in diese Richtung, da sie zu vermehrten Synechien führen und teilweise Fremdkörperreaktionen aufgrund Inkorporation in die Schleimhaut auslösen. Das Zukleben der Nase ist eine einfache und sehr effektive Methode zur Schaffung eines feuchten Milieus zur Optimierung der endonasalen Wundheilung und Therapie einer trockenen Nase.
Schlüsselwörter
Nasentamponade, FESS, Zukleben der Nase, Okklusionsbehandlung,
Wundheilung, Chitosan, hämostatische Tamponaden, Nutzen-Risiko-Analyse,
Synechien
Key words
nasal packing, nasal occlusion, moist wound healing,
Chitosane, hemostatic packing, wound healing after FESS,
benefit-risk-analysis
Der Titel des vom Herausgeber angefragten Übersichtsartikels klingt zunächst sehr provokativ. Er weist jedoch auf eine klare Tendenz hin, die sich sowohl in der nationalen und internationalen Praxis immer weiter durchsetzt: Der Verzicht auf eine postoperative Tamponade nach endonasaler Nasennebenhöhlenoperation. Orlandi und Lanza zeigten an einer Serie von 165 Patienten, dass nur in 11,2 % ihrer endoskopischen NNH-Operationen eine Nasentamponade ( = NT) (Kennedy Sinuspack) notwendig gewesen war, in 2,4% Flo-Seal appliziert und in 87,0% keine Tamponade eingebracht wurde [9]. In ähnlicher Weise zeigten Elia Shar et al., dass bei 92 % von 97 Patienten eine NT oder hämostatische Substanz vermieden werden konnte [5] . Demgegen ü ber konnte von Weber und Hay vor einigen Jahren immerhin gezeigt werden, dass eine ausreichende Akzeptanz einer als notwendig erachteten Nasentamponade auch über 5 Tage bei entsprechender Patientenführung erreicht werden kann [14]. Bevor der Autor zu einer Bewertung der aktuellen Situation kommt und Voraussetzungen zu definieren versucht, die für oder gegen eine Nasentamponade sprechen, sollen kurz einige Grundlagen zur Nasentamponade zusammengefasst werden [siehe auch [4,15,17]]. Die Tamponade nach FESS dient
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der Blutstillung,
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und wünschenswerterweise der Verhinderung der Entstehung von Synechien oder Restenosierungen und
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ggf. zur inneren Stabilisierung des knorpelig-knöchernen Nasengerüstes, der Nasenmuscheln oder Weichteilstrukturen wie z. B. Schleimhautverschiebelappen bei entsprechender gleichzeitiger Operation.
Nasentamponaden wirken entweder über
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die Ausübung von Druck,
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eine Platzhalterfunktion durch Einnahme eines vorgegebenen Raumes,
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die Schaffung eines feuchten Milieus zur Gewährleistung des normalen Ablaufes der durch die Evolution optimierten körpereigenen Wundheilungsvorgänge (z.B. durch
Okklusion),
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die Ausübung einer Barrierefunktion und
die Induktion oder Beeinflussung der körpereigenen Blutstillungs- und Reparationsprozesse.
Nasentamponaden können grob unterteilt werden in sogenannte Formkörpertamponaden (konventionelle Tamponaden), die als Ganzes eingebracht und wieder entfernt werden und sogenannte resorbierbare Tamponaden, auch hämostatische oder biologisch abbaubare Tamponaden genannt, die einem Zerfalls-prozess unterworfen sind und entweder partikuliert entfernt, abgesaugt werden, sich auflösen oder ausgespült werden. Unter den
Formkörpertamponaden ( = FKT) sind in Deutschland vor allem Gummifingerlingtamponaden (GFT), expandierbare Tamponaden (ET) (PVA-Tamponaden oder Cellulose/ Viskose) sowie CMC-Tamponaden mit Schaumstoffkern (Rapid Rhino Riemann, Mannheim, Goodman) im Einsatz. GFT bestehen aus einer Bakterien und Viren dichten Latexhülle, die mit Schaumstoff gefüllt ist. Latexfreie Gummifingerlinge besitzen eine inerte Kunststoffhülle (Rhinotamp latexfrei, Vostra, Aachen) oder der Schaumstoffkern ist in Polyurethan getaucht (Schaumstoffnasentamponade mit latexfreier Behautung, Spiggle & Theis, Overath).
GFT zeichnen sich durch ein insgesamt sehr gutes NutzenRisiko- und Kosten-Nutzen-Verhältnis aus und sind deshalb in Deutschland die Standardtamponade in der Rhinologie. Das einfache Einführen und Entfernen der GFT, die vergleichsweise geringe Traumatisierung der Schleimhaut sowie geringgradige oder fehlende Blutung bzw. Schmerzen bei Entfernung sind besondere Stärken der GFT. Die Druckwirkung auf die Schleimhaut ist steuerbar üblicherweise gering- bis mittelgradig. Zwei wichtige Komplikationsmöglichkeiten verlangen eine besondere Beachtung:
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